Folge 22 - Delirium
Shownotes
Robert Schumann pur: Zwischen den düsteren Visionen von »Manfred«, der poetischen Klangwelt seines Cellokonzerts und seiner lyrischen und kraftvollen Zweiten Sinfonie entfaltet sich Schumanns ganze musikalische Vielfalt.
Autorin und Sprecherin: Maria Gnann
Musik: Robert Schumann. Ouvertüre zu »Manfred«: John Eliot Gardiner, London Symphony Orchestra, 2020. Konzert für Violoncello und Orchester a-Moll op. 19, Alban Gerhardt (Violoncello), Eivind Aadland, Gürzenich-Orchester Köln, 2014. 2. Sinfonie in C-Dur op. 61: François-Xavier Roth, Gürzenich-Orchester Köln, 2021.
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00:00:03:
00:00:11: Wir befinden uns mitten in den Alpen.
00:00:14: Ein Schloss ragt in den Nachthimmel, hohe Türme heilen aus Stein.
00:00:19: Die Uhr schlägt zwölf Mitternacht als der Hausherr die Galerie durchquert.
00:00:24: An Schlaf ist nicht zu denken.
00:00:26: Er isst immer wach.
00:00:28: Schuldgefühle, Kummer Verzweiflung zerren an ihm wie Ketten aus Eisen.
00:00:33: Mit seiner Weisheit ist er am Ende.
00:00:35: Da bleibt nur noch eins Er ruft die Geister.
00:00:38: Beim Fluch, der schwer auf meiner Seele lastet Bei dem Gedanken um und in mir waltend Zwingig zu meinem Willen euch erscheint
00:00:48: Die Beschwörung wirkt!
00:00:50: Die Geister erscheinen In Lord Byron's dramatischem Gedicht das nach dem Schlossherren benannt ist Manfred.
00:01:00: Auch Robert Schumann zieht die Geschichte in ihren Bann.
00:01:03: Schon als Jura-Student hat er Byron's Gedicht gelesen, dass Eighteenhundertsiebzehn mit großem Erfolg erscheint.
00:01:10: Es habe ihm zwar schreckliche Nächte beschert aber auch unheimlich gefallen.
00:01:14: Eighteenhuntertachtundvierzig – Mit Ende Dreißig ließ Schumann den Stoff nochmal.
00:01:20: Er komponiert fünfzehn Musiknummern dazu für Orchester, Chor und Soli Manche gesprochen andere gesungen Und dazu, ganz ohne Texte ein ergreifendes Seelenporträt Manfreds Die Overtüre.
00:01:43: Das Gürzenichorchester eröffnet mit der Manfred-Overtüre einen reinen Schumannabend dirigiert von Riccardo Minasi.
00:01:50: Dann folgen Schumans Cello Konzert und die zweite Sinfonie – seventy-fünf Minuten Schuman pur!
00:01:57: Das bedeutet unbegrenzter Einlass in Welten jenseits der Vernunft.
00:02:17: Satter, Streichersound erzeugt epische Klangfülle.
00:02:21: Holzbläser dunklen die Farben, Pauken gräuen wie Donner und das Blech sendet alarmierende Signale!
00:02:27: Die Manfred-Overtüre drängt nach vorne – aufgewühlt.
00:02:31: Schumann schreibt mit leidenschaftlichem Tempo.
00:02:34: Es gibt plötzliche Ausbrüche unruhige Rhythmen aber auch schmerzlich schöne Stellen.
00:02:40: Sie stehen für die verbotene Liebe Manfreds zu seiner Schwester Astarte, die daran zerbrochen ist.
00:03:17: Die Manfred-Overtüre hielt Schumann selbst für sehr stark.
00:03:21: Ihm war bewusst, wie gelungen er das Genre der Schauerromantik in Musik übertragen hatte.
00:03:26: Das Thema war dem Komponisten nah am Herzen Denn wie der Held litt auch er unter Melancholie psychischen Qualen und auch er sehnte sich nach Erlösung.
00:03:36: Seit einigen Jahren vermerkt Schummann
00:03:38: Schwindelanfälle große Nervenschwäche trübste Melancholie.
00:03:43: Schuldgefühle hat er auch vor allem seiner Frau Clara gegenüber.
00:03:47: Er vermutet, dass er sich in jüngeren Jahren eine Süffelisinfektion zugezogen hat und fürchtet sie anzustecken.
00:03:54: Manchmal haluziniert er Stimmen – Töne!
00:03:56: Dann hat er Angst den Verstand zu verlieren, Clara oder den Kindern wehzutun.
00:04:01: Die Rolle des Familienversorgers setzt ihm zu.
00:04:04: Der Erfolg als Pianist bleibt ihm verwährt, Komplexe plagen ihn umso mehr weil seine Frau als Piantist in Karriere
00:04:11: macht.".
00:04:11: Er unterrichtet, schreibt Musikkritiken, dirigiert und komponiert.
00:04:17: Das Schöpfen von Wort- und Ton gelingt und bringt Erfolg – der Rest läuft solala!
00:04:23: In Dresden wo Schumann die Manfred Overtüre schreibt hat sich die Familie einen Neuanfang erhofft eine Erholung für Robert aber er fühlt sich zunehmend unwohl an der Elbe.
00:04:34: Frischer Wind kommt vom Rhein.
00:04:36: Schuhmann erhält eine Stelle als Musikdirektor der Stadt Düsseldorf.
00:04:40: Das Gehalt ist endlich mal ordentlich, kurz nach dem Umzug voller Hoffnung komponiert Schuhman in nur zwei Wochen sein Cello-Konzert in Amol.
00:05:05: Vor allem der dritte Satz verbreitet Aufbruchstimmung und Spielfreude – Der Cellobogen darf anmutig springen und tanzen!
00:05:13: Auch den Rest des Werks findet Schuhmann durchaus heiter, wobei es eher subtile Heiterkeit ist.
00:05:19: ein heimliches Freund.
00:05:21: Aufgebaut ist das Werk wie eine rapsodische Erzählung.
00:05:24: Die drei Sätze fließen ineinander, thematisch geschickt verknüpft.
00:05:28: Orchester und Solo-Stimme sind interessant miteinander verwoben, analysiert seine Frau Clara – ungewöhnlich für Jene Zeit!
00:05:36: Und von den Zeitgenossen nicht ganz verstanden.
00:05:39: Zu Schumanns Lebzeiten wird sein Cello Konzert nicht aufgeführt aber er glaubt trotzdem daran.
00:05:45: Es gibt darin Elemente, die sehr typisch für ihn sind.
00:05:47: Zum Beispiel die introvertierten Soli, die wie gesungen wirken.
00:05:51: Hören Sie mal hier den zweiten Satz des Konzerts in dem Schumann ein zweites Cello aus dem Orchester zum Duett bittet – innig und fast verliebt!
00:06:21: Manche betrachten Schumans Cello-Konzert als letzten euphorischen Höhenflug vor dem endgültigen Absturz.
00:06:29: Denn auch Düsseldorf hält kein Happy End für ihn bereit….
00:06:32: Dass er kein charismatischer Maestro und Kommunikator ist, merkt man dort schnell.
00:06:37: In den Proben mit Köhren- und Orchester beim Organisieren von Konzerten.
00:06:42: Schumann hat eine leise Stimme – und ist sowieso eher schweigsam!
00:06:46: Außerdem sieht der extrem schlecht und die Psyche isst und bleibt labil….
00:06:51: Die inneren Stimmen kommen zurück ….
00:06:53: Und so endet die Zeit in Düsseldorf nach nicht mal vier Jahren tragisch mit einem Selbstmordversuch im
00:06:58: Rhein.".
00:06:59: Danach geht Schumann freiwillig in die psychiatrische Heilanstalt.
00:07:04: Bei Robert Schummann lauerte die Krise immer in Reichweite, der Wahn, die Depression und das Delirium.
00:07:11: Dagegen gab es nur ein Heilmittel – die Kunst für Schummern eine Art der Selbstermächtigung.
00:07:17: Dem Wahn etwas entgegengesetzt hatte er auch mit seiner zweiten Sinfonie.
00:07:24: Ich kann wohl sagen, es war gleichsam der Widerstand des Geistes.
00:07:28: Der hier sichtbar influiert hat und durch den ich meinen Zustand zu bekämpfen
00:07:33: suchte.".
00:08:13: Wer den Leidenschumans nachspüren möchte, wird vor allem im langsamen dritten Satz.
00:08:20: Es kann ergreifen wie Schumann schwere Emotionen unendliche Sehnen mit Schönheit umwandelt.
00:09:05: Eine Obur, die das Herz zerreißen kann!
00:09:08: Mit dem expressiven Hauptthema verbeugt sich Schummann vor Johann Sebastian Bach – eine feinsinnige Erinnerung an den Anfang der Triosonate aus Barsammlung.
00:09:18: musikalisches Opfer.
00:09:20: Ob Schumann wusste, wie schwierig manche Stellen für die Musiker waren und es bis heute sind?
00:09:26: Das Ubon-Solo im dritten Satz wird bei Probespielen für Orchesterstellen verlangt.
00:09:31: Und auch die Geigerinnen und Geiger kommen bei diesem Werk besonders ins Schwitzen!
00:09:35: An welcher Stelle – und warum – dem gehen wir nach in der Rubrik Go Brainer.
00:09:55: Da sitzt man am Rand der Stuhlkante dieses Tempo diese Zerbrechlichkeit.
00:10:01: Beinahe atemlos scheinen Geigerinnen und Geiger hier zu spielen.
00:10:04: Und dabei noch Synchronen- und Blitzauber, aber die Schnelligkeit ist nicht das Hauptproblem", sagt Nikolaj Armann Mitglied der ersten Geigen im Götze-Nichtorchester.
00:10:13: Es klingt schnell, aber wenn man genauer hinschaut, ist es eigentlich nicht so schnell.
00:10:17: Aber natürlich ist es schon flott!
00:10:19: Das Schwierige daran ist, die Artikulation gutzutreffen – was der Komponist möchte – präzise zu sein.
00:10:26: auch im Zusammenspiel von links und rechts.
00:10:28: Die Hände synchron bewegen ist hier eine der größten Herausforderungen, vor allem wenn man nicht nur im stillen Kämmerlein übt sondern vor Publikum spielt.
00:10:50: Die Dynamiken einzuhalten und natürlich solche Sachen auch wie Artikulation damit es auch in großen Saal gut klingt.
00:10:57: Wenn man da kein bisschen zu lang spielt oder zu wenig artikuliert dann wird das schnell so ein wa-wa-wa und dann kommt nichts mehr beim Zuhören.
00:11:04: Der zweite Satz in Schumanns zweiter Sinfonie hat es in sich.
00:11:08: Unter Musikerin und Musikern heißt er schlicht, das Schumans Skerzo als hätte der Komponist nur ein einziges Sker zu geschrieben.
00:11:16: geübt wird jedenfalls kein anderes so intensiv auch weil es bei violinen Probespielen oft verlangt wird.
00:11:22: diese Passage ist besonders berüchtigt die sechzehntel Figuren scheinlich zu stoppen fast durchdrehen.
00:11:36: Sie sind rhythmisch vertrackt und verlangen absolute Bogenkontrolle sowie maximale Präzisionen verschiedener Geigentechniken, etwa Spicato.
00:11:45: Eine leichte federnde Sprungtechnik des Bogens und schnelle Seitenwechsel.
00:11:50: Gleichzeitig sollen die koboldhaften Figuren ganz leicht und transparent gespielt werden – eine Herausforderung auch noch vielen Jahren oder?
00:11:57: Man kann natürlich die Herausforderungen sehen oder man kann es auch wahrnehmen als now it's time to shine!
00:12:03: Ich denke das ist der richtige Ansatz.
00:12:05: Man kann endlich mal aufblühen, man kann Energie reinbringen und versuchen diese ganze Lebendigkeit herauszubringen.
00:12:11: Über
00:12:11: die Wirkung diskutiert die Musikwissenschaft bis heute – ist das sommernachtstraumhafte Schwerelosigkeit oder ein zwanghafter Höllen-Tanz?
00:12:21: Dass Schumannsmusik so schwer greifbar ist, mysteriös, mache den besonderen Reiz aus, findet Geiger Nikolaj Armann.
00:12:28: Gerade der zweite Satz ist für mich eine ganz große Suche mit wenig finden und das macht es für mich so interessant!
00:12:43: Manchmal muss es in Schumanns Kopf gebrodelt haben wie in einem Hexenkessel.
00:12:48: So viele Ideen, so viele Bezüge und Botschaften die er über die Musik mitteilen wollte.
00:12:54: In der zweiten Sinfonie zitiert er wie vorhin gesagt Bach macht daraus was Eigenes und lässt die Themen zwischen den Sätzen hin- und herspringen.
00:13:03: Er verdreht sie und spielt mit ihn.
00:13:05: Und dann kommt auch noch Beethoven.
00:13:07: Aus dessen Liederzyklus an die Ferne geliebte Zitiert er das Lied Nimm sie hinten meine Lieder.
00:13:31: Mit Beethoven an der Seite führt Schumann seine zweite Sinfonie später zu einem hymnischen, befreienden Cedo-Abschluss als ob er auch kompositorisch zeigen wollte dass die schwere Depression nun überwunden war.
00:13:44: erst im letzten Satz fing ich an mich wiederzufühlen.
00:13:47: wirklich wurde ich auch nach Beendigung des ganzen Werkes wieder wohler.
00:13:52: Robert Schummann gilt als einer der wichtigsten Komponisten der romantischen Epoche.
00:13:57: typisch romantisch die Verbindung der Künste, den Ausdruck von Subjektivität, Sehnsucht, Seelntiefe und Abgründe.
00:14:06: Bittere Ironie für den Romantiker?
00:14:09: Die Geister haben Schumann auch in der körperlichen Realität einfach nicht verlassen!
00:14:13: Am neunzwanzigsten Juli, eighteenhundertsechsundfünfzig starb er in der psychiatrischen Heilanstalt in Bonn-Endenich an den Folgen seiner fortschreitenden Gehirnerkrankung – heute vermutet man eine Spätsophilist des Zentralnervensystems.
00:14:28: Schumann war forty- acht Jahre alt.
00:14:30: Sein Geschenk an uns?
00:14:32: Wir können in seiner Musik mit den Geistern tanzen, fliegen und beschwören lassen – und die Vernunft ausschalten ohne dabei den Verstand zu verlieren!
00:15:11: die Konzerteinführung zum Mitnehmen.
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