Folge 19 – Summertime

Shownotes

Zwischen Jazz, klassischer Musik und afroamerikanischer Kultur: George Gershwins »Ein Amerikaner in Paris« verbindet die Klangwelten Europas und der USA zu einem musikalischen Porträt der französischen Hauptstadt. In »Porgy & Bess« führt Gershwin diese Verbindung weiter und setzt sich mit der afroamerikanischen Musikkultur auseinander – zwischen authentischer Inspiration, musikalischer Aneignung und bis heute kontrovers diskutierter Darstellung.

Autor und Sprecher: Thilo

Musik: »Ein Amerikaner in Paris" von George Gershwin. New Zealand Symphony Orchestra, James Judd: Dirigent. American Classics, Naxos 14. April 2002. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Naxos.

»Porgy and Bess« von George Gershwin. London Philharmonic Orchestrea, Simon Rattle: Dirigent. Warner Classics, 20 Januar 2017. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages Warner Classics.

Transkript anzeigen

00:00:03: Ein junger Mann schlendert die Champs-Élysées entlang.

00:00:27: Er ist elegant gekleidet, maßgeschneiderte Anzug, dunkler Filzhut, perfekt gebundene Krawatte – dazu ein leichtschräges Schmunzeln im Gesicht!

00:00:37: Um ihn herum wuselt das Pariser Großstadtleben Zeitungsboten um Schiffentouristen, die aus Boutiquen ein- und ausströmen.

00:00:44: Auf der Straße Pferdekutschen Fahrräder Straßenbahnen Und knatternde Automobile.

00:00:56: Auch in den Cafés tummeln sich Menschen.

00:00:58: Straßemusikanten versuchen sich durch das Spielen von Hitz einen Groschen zu verdienen.

00:01:03: Am Wog ist etwa gerade der brasilianische Tango Maxx George Gershwin So heißt er Mann Der im März.

00:01:18: Er ist noch keine dreißig Jahre alt und gilt doch schon als einer der größten Komponisten Nordamerikas.

00:01:24: Auch in Paris hat man von seiner Rhapsody In Blue gehört, ein Werk das klassische Orchestermusik und Jazz vereinen soll – was für eine waghalsige Kombination finden die Leute?

00:01:37: Gershwin selbst ist dabei auch ein Fan französischer Musik etwa von Claude Debussy.

00:01:46: weshalb er zwei Monate in der französischen Hauptstadt verbringt.

00:02:01: Gershwin trifft das Who Is Who, der Pariser Avongarde etwa Maurice Ravel oder Igor Stravinsky die ihn in die schüllernde Konzert- und Partyszene ihrer Stadt entführen.

00:02:12: was Gershhwin dort erlebt dass hält ihr an einer Art musikalischem Tagebuch fest und zu Hause in New York schreibt er dann daraus eine Tondichtung die er unter dem Titel ein Amerikaner in Paris veröffentlicht.

00:02:25: Diese musikalische Postkarte eröffnet am elften September das erste Konzert des Gürtzenichorchesters nach der Sommerpause.

00:02:34: Vielleicht wirkt ja auch bei Ihnen im Publikum noch der Urlaub nach, die Geräusche und Gerüche der Ferienzeit schweben durch den Kopf, beginnen aber schon sich mit dem Alltag zu vermischen!

00:02:46: In Görschwins Stück werden amerikanische Klänge immer präsenter – im Mittelteil singt die Trompete einen Blues.

00:03:06: Der Reisende sehnt sich nach der Heimat, so wird die Passage oft gedeutet.

00:03:11: Ausgelassener wird es kurz vor Schluss als der Reisender einen anderen Amerikaner trifft.

00:03:17: Gershwin vertont diese Begegnung mit einem frechen Charleston.

00:03:21: wieder verbindet er dabei europäische Orchester Tradition und Jazz aus den USA.

00:03:26: Die Harmonien stecken voller dissonanter Einfärbungen im Jazz Tensions genannt.

00:03:44: Am schönsten ist es immer noch zu Hause, so ließe sich diese feieramerikanischer Lebenslust deuten.

00:03:50: Genauso könnte man das verbindende Beiderwelten entdecken – ob brasilianischer Tango im Café de Paris oder Charleston in einer New Yorker Jazz-Kneipe.

00:04:00: hier wie dort feiern Menschen den Rausch des Augenblicks!

00:04:04: Oder sie gehen ihren Sehnsüchten nach.

00:04:07: Impressionistische Träumerei schmachten der Blues dort.

00:04:11: Eine solche Betrachtung wäre im Sinne Gershwinns.

00:04:14: Für ihn gab es keine starren Grenzen.

00:04:17: Jazz ist Musik, er benutzt die gleichen Töne wie Bach so stellte Gershin etwa einmal nüchternfest.

00:04:41: Die Wohnorte wechseln häufig, die Jobs des Vaters ebenfalls.

00:04:45: Restaurantpächter, Bäckerei-Betreiber, Wettbüroinhaber, Zigarrenverkäufer... Und George treibt sich auf der Straße herum!

00:04:53: Er schwänzt die Schule und soll sogar kleinere Einbrüche begangen haben.

00:04:57: Doch immer wieder ziehen ihn Klänge an, die alles andere vergessen lassen.

00:05:02: Auf dem Gehsteig vor den Kneipen lauscht er Racktime & Blues, der da nach draußen klingt.

00:05:14: Und einmal, da hört er einen Mitschüler durchs Fenster Antonin Dvořák's Humoresskespiel.

00:05:32: Als

00:05:32: blitzartige Offenbarung von Schönheit hat er diesen Moment später bezeichnet – die Mischung!

00:05:38: Klassischer Kunstmusik und populärer Musik Nordamerikas wird Görschwins Markenzeichen.

00:05:44: Von seiner allerersten Komposition, in der er Robert Schumanns Kinderszenen als Ragtime arrangiert über seine Rhapsody In Blue bis zu seiner Jazzoper Porgy & Bass.

00:06:02: Porgy – ein verarmter Krippel verliebt sich im Bass eine Kokain-Süchtige die in einer toxischen Beziehung steckt.

00:06:09: Der Plot von Porgy and Bass basiert auf einem Roman von Gershwin's Landsmann Dubose Hayward.

00:06:15: Handlungsort ist die sogenannte Catfish Row.

00:06:19: Diese Straße wird überwiegend von Schwarzen, bewohnt deren Alltag von harter Arbeit ebenso geprägt ist wie von Armut, Drogen und Gewalt.

00:06:29: Gershin glaubte eine gute Jazz-Opa müsse nicht nur vom Schwarzen gesungen werden sondern auch thematisch die Black Community widerspiegeln.

00:06:38: Aus heutiger Perspektive wirkt die Darstellung des Lebens in der Catfish-Row etwas überspitzt.

00:06:44: Die südafrikanische Sopranistin Masabani Cecilia Rangvanascha, die im Kölner Konzert singen wird, ruft aber ins Gedächtnis... ...die Schwarzen im Jahr neunzehnunddreißig waren nicht die Schwarzen von heute", sagt Rangvanascha.

00:07:06: Ausbeutung, Rassentrennung – das gehörte in den USA zur Tagesordnung.

00:07:14: Schwarze lebten oft getoisiert und verarmt wie die Menschen in der Catfish Row.

00:07:21: In Werken von Weißen tauchen sie damals überwiegend als Witzfiguren oder Bösewichte auf.

00:07:27: Gershwin nimmt die Menschen dagegen ernst und nähert sich seine Plot mit geradezu wissenschaftlicher Sorgfalt.

00:07:34: Mehrere Wochen zieht er in die Nähe von Charleston nach Folly Island, um dort das Leben einer afroamerikanischen Community zu studieren.

00:07:44: Ihren Dialekt und ihre Musik zu hören!

00:07:47: Und diese Eindrücke lässt er in seine Musik einfließen.

00:08:06: Gleich nach der Overtüre ertönt ein Song, der schon bald zu einem der größten Hits des zwanzigsten Jahrhunderts werden sollte.

00:08:13: Summertime Ein Lied, das die Unbeschwertheit des Sommers herauf beschwört gesungen von einer jungen Mutter Clara.

00:08:20: Sie wiegt damit ihr Neugeborenes in den Schlaf doch unter der heiteren Oberfläche da schlummern Abgründe.

00:09:03: Was es damit auf sich hat verrate ich in unserer Podcast Rubrik Fische hüpfen, die Baumwolle blüht.

00:09:13: Das Leben ist leicht!

00:09:15: So beginnt Summertime.

00:09:17: und wenig später betont Clara noch nichts kann dir passieren so lange Mama und Papa da sind.

00:09:23: Bei der Melodie dieses Songs hat Gershwin sich von einem Necrospirituell inspirieren lassen Sometimes I feel like a motherless child.

00:09:50: Manchmal fühle ich mich wie ein mutterloses Kind.

00:09:54: das ist doch eine seltsame Vorlage für einen Wiegenlied oder?

00:09:58: Beim Blick auf die Opernhandlung löst sich der vermeintliche Widerspruch aber auf, denn Summer Time wird in Porgy and Bess dreimal gesungen.

00:10:06: Einmal am Anfang als alles noch friedlich ist, einmal in der Mitte als ein Sturm, den Menschen bedroht und einmal am Ende allerdings nicht mehr von Clara.

00:10:16: Sie und ihr Mann sind beide im Sturm ums Leben gekommen.

00:10:19: das Motherless Child – Das Mutterlose Kind wird nun von Bess in den Schlaf gesungen.

00:10:49: Summertime, das ist also letztlich kein Song der das gute Leben beschreibt sondern einer der es herbeisehnt gesungen von Menschen die am Abgrund stehen.

00:11:03: Die Musik wird in Gershmins Oper so zu einem Zufluchtsort der die Qualen der Realität vergessen macht oder sie verklärt I got plenty of nothing singt Porgy etwa im zweiten Akt er habe weder ein Auto noch andere Reichtümer aber er habe die Sterne seine Liebe zu best seinen Glauben.

00:11:35: Gershwin imitiert hier folgstümliche Musik von Straßenmusikanten, indem er die Streicher in Pizzicato wie ein Banjo klingen lässt.

00:11:44: Wie Gershhwin die Charaktere seiner Oper zeichnet ist allerdings nicht unproblematisch.

00:11:49: Sie werden überwiegend als Arm naiv, gewalttätig, skrupellos, drogenabhängig dargestellt.

00:11:55: Alles Klischees die damals über Schwarze existieren.

00:11:59: Dazu kommen musikalische Imitationen von afrikanischen Dialekten, die einer Karikatur gleichen.

00:12:16: Der Jazzmusiker Duke Ellington urteilte zu Gershwin's Zeiten Porgy Sey tolle Musik und ein schönes Stück aber es spreche nicht die musikalisch Sprache der Schwarzen.

00:12:31: Manche Sängerin und Sänger fremdeln auch heute noch damit, diese Rollen anzunehmen.

00:12:36: Sie fühlen sich unwohl vor einem überwiegend weißen Publikum eine Stereotype schwarze Kunstfigur zu mimen.

00:12:43: Masabani Cecilia Rangvanascha sieht das Gelassene – sie liebt Görschwins Werk und betrachtet es eher als Chance.

00:12:50: Ich denke wir sollten diesen Musik erheben, weil es wirklich gute Qualitätsmusik ist!

00:13:01: Das

00:13:07: war da.

00:13:09: Und du denkst dann, eine Möglichkeit für einen All-Black-Cast?

00:13:37: Klaro war eine unerwartete Frau.

00:13:45: Die unschuldige Clara mit ihrem Kind, die starke Serena, die um ihren ermordeten Ehemann trauert und Bess eine Frau der Straße.

00:13:54: Diese drei Charaktere werden im Konzert alle von Rangvarnascha verkörpert.

00:14:14: Neben dem Kölner Bürgerkurs, der sozusagen die Kölners Stadtgesellschaft repräsentiert werden im Konzert einige Chor- und Solopassagen von einem Berliner Ensemble gesungen, das sich A Song For You nennt.

00:14:27: Es versammelt schwarze Indigene und andere People of Color deren Ziel es ist auf künstlerische Weise unterrepräsentierten Perspektiven eine Stimme und ein Gesicht zu geben.

00:14:38: Die Themen aus Gershwin's Porgi seien aber keineswegs auf People Of Color beschränkt.

00:14:42: unter Streichtrang Van Ascher.

00:14:44: die Geschichte so sagt sie könnte auch in einer weißen Community spielen.

00:14:48: da gäbe es ja auch Arme Menschen, Bettler, Drogen und Gewalt.

00:14:53: Es gehe darum, Menschen unsere Solidarität Empathie und Aufmerksamkeit zu schenken unabhängig von Hautfarbe oder

00:15:01: Herkunft.".

00:15:29: Let's go!

00:15:31: Die Konzerteinführung zum Mitnehmen.

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