Folge 16 – Titan

Shownotes

Kosmos, Chaos und die Urgewalt der Natur kommen zur Sprache und werden zu Klang in »Metacosmos« von Anna Thorvaldsdóttir und der 1. Sinfonie »Titan« von Gustav Mahler. Wie genau, das erzählen die isländische Komponistin und der Dirigent Andrés Orozco-Estrada.

Autorin und Sprecherin: Maria Gnann

Musik: »Metacosmos« von Anna Thorvaldsdóttir. Iceland Symphony Orchestra, Daníel Bjarnason, 2019. Mit freundlicher Genehmigung von Sono Luminus. 1. Sinfonie von Gustav Mahler. Gürzenich-Orchester Köln, Markus Stenz, 2012. Mit freundlicher Genehmigung von Oehms Classics.

Transkript anzeigen

00:00:03:

00:00:11: Vom Mond träumen die Menschen schon immer.

00:00:14: Er verkörpert die Sehnsucht nach einer Welt jenseits der Erde, aber bei der vergangenen Mondumrundung im April sagte eine Astronautin sie habe beim Anblick der Erde nicht nur ihre Schönheit empfunden sondern auch wie schwarz es drum herum sei.

00:00:30: Der Kosmos birgt düstere Geheimnisse unlösbare Rätsel An schwarze Löcher dachte die Komponistin Anna Thorwald Stoutier bei ihrem Werk Metacosmos.

00:00:47: Metac cosmos beginnt mit einem langen Raunen, Die tiefsten Seiten der Kontrabässe vibrieren.

00:00:53: eine Art Urnebel entfaltet sich – ähnlich wie am Anfang von Richard Wagner's Oper Reingold oder in der ersten Sinfonie von Gustav Mahler.

00:01:02: Maler und Metacosmos sind Thema in dieser Podcastfolge.

00:01:06: Beide Werke erklingen im Konzert des Gürze-Nichtorchesters.

00:01:15: Das Wort Metac cosmos könnte man mit Welthintergrund übersetzen, aber auch mit jenseits der Welt – dort im All rotieren schwarze Löcher!

00:01:25: Ihre Gravitation ist so stark dass sie alles schlucken.

00:01:29: Materie und Licht verschwinden darin für immer….

00:01:32: Das versteht die Komponistin Anna Thorwald Stautier als Metapher für ihr Werk.

00:01:47: Sie steht für das Gefühl, in etwas Stärkeres hineingezogen zu werden eine Kraft der man sich als Mensch nicht entziehen kann – für Dinge, die außerhalb unserer Kontrolle

00:01:57: liegen.".

00:01:59: eine philosophische Art der Welt, aber auch realisieren.

00:02:05: Es gibt Dinge, die man nicht kontrollieren kann und das muss tatsächlich in allen unserer

00:02:20: Lebens sein.

00:02:29: Das Werk changiere zwischen Chaos und Ordnung, finde Schönheit im vermeintlich unkontrollierten ebenso wie in der Ruhe.

00:02:46: In

00:03:03: dunkles Szenarien brechen immer wieder harmonisch klingende Akkorde ein – wie Lichtstrahlen die auf Schwerze treffen!

00:03:11: Anna Thorwald Stottir hat ein starkes Gespür für Harmonie.

00:03:15: Sie bildet das Fundament, aus ihr entsteht das Material für die vielfältigen Elemente des Werkes.

00:03:21: Darunter eine Art Klagegesang der an uralte nordische Melodien erinnert.

00:03:51: Ihre isländischen Wurzeln empfindet Anna Thorwal StottIR als sehr stark!

00:03:56: Die Weite, die Nähe zur Natur – das offene Wasser haben sie geprägt.

00:04:01: Alles um sie herum beeinflussen ihre Musik.

00:04:04: Aber Sie versuchen nicht bewusst isländische Folksongs zu imitieren.

00:04:08: Die Melodien strömten einfach aus ihr selbst

00:04:10: heraus.".

00:04:34: Die Musikwelt ist voll des Lobes.

00:04:36: Metacosmos wurde als Auftragsarbeit vom New York Philharmonic Uhr aufgeführt, ein knappes Jahr später stand es schon auf den Pulten der Berliner PhilharMonica.

00:04:57: Auch als Filmmusik könnte man Metac cosmos wirkensvoll einsetzen.

00:05:01: Zu Szenen von schweren Kräften, die unterirdisch walten wie Magma oder grobes Gestein.

00:05:07: Oder zu Abenteuereisen durch die Zeit – mit dieser Musik kann man abheben!

00:05:12: Und daher endet Mütter Kosmos mit einem Fall in die Tiefe und gleichzeitig mit einer Prise Mystik durch ein aufsteigendes Streicherglissandi in Richtung Unendlichkeit.

00:05:23: Das weiße Geräusch, das ist die Hälfte des Blöds.

00:05:30: Du hast die Harmonie aufgeschnitten und du hast den Geräuschen von der Verwaltung nach unten zu der Doppelbasis ausgelistet und die Harmonien abgelöst werden.

00:05:52: Für mich war es für

00:06:24: mich eine Projekte von

00:06:30: beiden.

00:06:32: Man erinnert sich, man riecht.

00:06:33: und nach der gleichen Zeit, bis zur Eternität weg.

00:06:43: Und das alles beschreibt schon gleich eine Stimme.

00:06:45: Es gibt ein Gefühl von Natur, Wald und Morgenden – was man will!

00:06:51: Das ist auch eine großartige Dinge beim Maler.

00:06:54: Da kann jeder individuell die Fantasie freilassen.

00:06:58: Andres Orozco Estrada gürze nicht Kapellmeister.

00:07:02: Wie einen Naturlaut schrieb der Komponist über den ersten Satz langsam, schleppend immer sehr gemächtlich.

00:07:09: Die Spielanweisungen sind einmalig.

00:07:11: Male hat bemerkenswert präzise Partituren geschaffen, Andres Orozco Estrada studiert sie seit Jahrzehnten.

00:07:18: Eine Taschenpartitur zur ersten Sinfonie hatte sich in Wien gekauft als Student.

00:07:24: Sie ist über und über mit gelben Post-Its bedeckt – denn der gebürtige Kolumbianer hat sich die deutschen Anweisungen zunächst auf Spanisch übersetzt!

00:07:32: Und mit jeder weiteren Seite zeigte sich, Malers Welt ist unglaublich komplex.

00:07:37: Auch was die technischen Ansprüche an das riesige Orchester angeht.

00:07:41: Sowohl die schnelle Bacharren weil sehr schnell und sehr virtuos sind also da muss man wirklich etwas drauf haben.

00:07:47: aber auch zum Beispiel der Anfang.

00:07:48: Allein dieses Arzt so wie wir es auszustimmen kann manchmal gar kompliziert werden.

00:07:54: Also allein schon in den ersten drei Takten könnte man wenn man will zehn Minuten verbringen.

00:07:59: Probezeit nur für drei Takte Also bräuchte man drei Wochen, um das Werk irgendwie zu üben sozusagen.

00:08:07: Also nun die Komplexität wie Maas oder wie heißt es diese, dieses Universum dann an den Komplexitäten?

00:08:12: Es ist wirklich eine Galaxie so zu sein und es gibt Millionen Milliarden von Dingen, die da alles miteinander interagieren und die alles wie die Natur selbst so zu sagen.

00:08:21: Das ist alles

00:08:22: minimal.".

00:08:23: Aber die Mühen werden belohnt!

00:08:25: Dem Publikum präsentiert sich Malas Welt wie eine Farbexplosion.

00:08:30: Schon in den ersten Takten blühen Blumen, glänzen Tautropfen ein Kuckuck ruft wenn auch im Intervall der Quarte so dass der Ruf in Malas erstes Thema übergehen kann.

00:08:40: Es zitiert eines seiner eigenen Lieder ging heute morgen übers Feld Darin funke die Welt zunächst im Sonnenschein Aber am Ende gilt im Lied des fahrenden Gesellen aus dem das Thema stammt Die Schönheit der Welt lässt sich nicht unbedingt auf das eigene Glück übertragen Und so wird die Idylle bei Maler stets hinterfragt, wirkt wie ein Traum der irgendwann zersplittern muss an der Realität.

00:09:20: Eine Sinfonie müsse sein wie die Welt, sagte Maler.

00:09:23: alles enthalten Schönheit der Natur und menschliche Tragödie Erhabenheit und Banalität.

00:09:29: So folgt in Malas Logik im zweiten Satz einen Derbertanz.

00:09:33: Ein österreichischer Ländler Prales Leben – der Mensch in Extase knallig gezeichnet.

00:09:50: Die Tanzgästen wirken manchmal regelrecht schroff, typisch für Maler.

00:09:54: Auch dass er volkstüngliche Melodien einsetzt.

00:10:06: In Böhmen geboren ging Maler zum Studieren nach Wien, tingelte zunächst als Kapellmeister und sehr schnell als angesehener Dirigent durchs Habsburger Reich und ließ Flair aus allen Territorien in seine Musik einsickern.

00:10:19: Sentimentale Walzer und auch Klesmer-Sounds wie hier im dritten Satz.

00:10:41: Der dritte Satz präsentiert bizarres Stimmungswechsel für das ausgehende XIX.

00:10:46: Jahrhundert.

00:10:46: sehr modern und bis heute rätselhaft, der Klesematurbe stößt unter anderem auf eine verträumte Melodie übrigens wieder ein malersches Lied-Zitat und vor allem auf eine eigentümliche Atmosphäre.

00:10:58: Hören Sie einmal genau hin.

00:10:59: diese Melodie kennen sie!

00:11:16: Haben Sie den Kanon erkannt?

00:11:17: Hier zitiert Mahler Freire Jacques Bruder Jakob.

00:11:21: aber warum macht der Komponist einen Kinderlied zum Thema des Dritten Satzes?

00:11:25: Das versuchen wir zu ergründen in der Rubrik Go

00:11:33: Brainer.

00:11:41: Das ist die deutsche Version des berühmten Kinderleads.

00:11:44: Ursprünglich kommt es aus Frankreich und handelt von einem Mönch, Bruder Jakob, der aufstehen soll um die Glocken zum Morgengebet zu läuten.

00:11:51: Möglicherweise hat er verschlafen.

00:11:58: Maler nutzt den Molton, um die Melodie in einen Trauermarsch umzuwandeln.

00:12:03: Schlettend und träge zieht der Kanon als Leichenzug durch Kontrabass und Pauke, Celi und Tuba.

00:12:09: Aber tot traurig wirkt er irgendwie nicht.

00:12:12: Eher absurd!

00:12:13: Und dann kommentiert Mahler auch noch mit schrillen Bläse einwürfen die seltsam frivol klingen.

00:12:29: Im neunzehnten Jahrhundert kursierte ein sehr bekanntes Bildmotiv wohl einem Kindermärchen entnommen – des Jägers Leichenzug.

00:12:37: Tiere aus dem Wald tragen darauf einen Jäger zugrabe.

00:12:40: Davon ließ sich Mala anregen und stellte sich zum tierischen Leichenzug eine böhmische Musikkapelle vor.

00:12:54: Scheinbar Unpassendes in der Musik aufeinanderprallen zu lassen, das ist auch so eine Spezialität Malas – er verbindet komplexe und simple Kunst.

00:13:03: Manche hat es richtig schockiert wie die Wiener bei einer Aufführung der ersten Sinfonie im Jahr nineteenhundert.

00:13:09: Ein Kinderlied in einer erhabenen Sinfonies.

00:13:12: Sie brachen ein höhnisches Gelächter aus!

00:13:14: Aber eigentlich zeigte Mahler hier bereits seinen revolutionären Kompositionsgeist.

00:13:50: Danach, und in diesem Sinne wie bei alles was einen süchtig macht.

00:13:54: Da hat man einfach so ein Adrenalin, so ein Dingsschub jedes Mal um.

00:13:59: deswegen sind alle Sachen machen einen so Wum-Wum mehr und es kommt mehr aus jede Ecke muss man aber lernen.

00:14:06: und was ich denke wichtig ist dann als Dädigent.

00:14:09: dann muss man lernen sich zu kontrollieren im positiven Sinne damit die Musik wirklich klingt und nicht nur irgendwie von mir gestört wird.

00:14:19: Das sagt Andres Orozco Estrada.

00:14:21: Besonders im letzten Satz muss sich der Dirigent unter Kontrolle halten, darf sich nicht mitreißen lassen vom riesigen Orchesterapparat!

00:14:29: Das Finale ist bei Mahler immer der Fluchtpunkt – hier wird musikalisch Bilanz gezogen, Malers Welt in Töne

00:14:35: gefasst.".

00:14:47: vier Hörner genug oder sechs, es müssten acht und am besten noch welche auch verdoppeln.

00:14:53: Oder die Trompeten, die Poesonen nur für zehn Takte lang damit das noch lauter klingt.

00:14:58: Das war wieder in der Welt würde mich als Freudianer sozusagen interessieren was war die Notwendigkeit?

00:15:06: Was wollte er kompensieren oder was auch immer?

00:15:09: warum musste unbedingt alles so extrem so riesig und noch mehr und Keine Ahnung was, aber gut das war die Zeit.

00:15:19: Das war seine Welt und wir können nur im Grunde lernen und froh sein und dankbar sein dass er durch diese nicht nur diese innere Welt hatte sondern dass er uns oder sich erstmal erlaubt und uns dadurch erlauben so Meisterwerke dann zu haben.

00:15:34: Und das ist wirklich wie ein Wunder der Natur.

00:15:37: also das ist für mich genauso wichtig wie ein Baum oder sowas.

00:15:42: Also es ist wirklich Leben pur und ohne Malers Musik werden wir viel ärmer als Menschen.

00:15:48: Das heißt ein bisschen zuviel, aber so ungefähr finde ich die Dimension von dieser

00:15:53: Musik.".

00:15:54: Das Finale seiner ersten Sinfonie eröffnet Mahler mit einem gewaltigen Ausbruch – einen brutalen Aufschrei!

00:16:12: Stürmisch bewegt, so soll der Schlusssatz klingen, effekt um die Ohren wie Höllenfeuer.

00:16:17: es klingt nach tiefster Erschütterung.

00:16:19: Dass sich der Satz hin zum Triumphalen wandeln soll, scheint unmöglich.

00:16:23: Aber im weiteren Verlauf wird mühsam darum gerungen – ein Spektakel das Maler wie immer mit genialen Klangeffekten inszeniert, wie wenn die Hornisten laut Partitur aufstehen müssen um über das Orchester zu schmettern.

00:16:36: Erahnen wir hier im Kampf mit dem Schicksal einen Titan?

00:16:40: Wie Maler die Sinfonie in Beinamen zeitweise nannte.

00:16:58: Die Titanen aus der Mythologie müssen nach schwerem Kampf allerdings in die Tiefen der Unterwelt verschwinden.

00:17:04: Und auch der deutsche Schriftsteller Jean-Paul, auf den sich Mahler bezog, lässt alles Göttergleiche sterben in seinem Roman-Titan.

00:17:12: Der Roman feiert eher den Antititan, der sich mit der Akzeptanz des Schicksals zufrieden gibt.

00:17:18: Für göttergleiche Riesen scheint auf der Erde kein Platz zu sein und so scheint Mahlers jubelartige Hymne am Ende auch eine Sehnsucht zu spiegeln, denn eine reale Welt

00:17:28: seine innere Welt.

00:17:29: Und deswegen kommen diese Dinge, wie die ja wissen jetzt später in anderen Sinfonien sind natürlich noch mehr dieses fast metaphysische aber auch was profetische als ob er gewusst hätte dass das und jenes passiert für sich in seiner innere oder in seinem realen Welt.

00:17:45: Ich finde am Ende des Tages doch trotzdem die Sinfonie ich glaube auch aus innerer Welt gründen von Malat wollte ja doch etwas Positives.

00:17:54: Die Sinfonia hat sehr viele.

00:17:56: Ich

00:18:18: bin der Welt abhandengekommen, so heißt ein Gedicht von Friedrich Rückert.

00:18:23: Maler soll Ninzehunderteins darüber gesagt haben – das bin ich selbst!

00:18:28: Über hundert Jahre später preisen Tech-Milliardäre eine reale Zukunft der Menschheit im All.

00:18:33: Sie entwerfen Skizzen von einer Stadt auf dem Mond oder davon Atomkraftwerke, Erdferne auszulagern.

00:18:40: Was zu Zeiten des Fern duciècle wie heute die Frage aufwirft – ist menschliches Leben auf der Erde so unheilbar verloren?

00:18:48: So furchtbar das Fantasien von überirdischer Schönheit ein Eins werden mit außerweltlichem Die größte Hoffnung schenken?

00:18:56: Falls ja möchte ich mich Gustav Mahler anschließen und lieber den Rückzug in farbenreiche Kunst bewerben als den realen Umzug.

00:19:06: Dirigent Andres Orozco Estrada erweckt eine Reise ins All nur unter bestimmten Voraussetzungen.

00:19:35: witzige Rendingen wie neugierigem sind.

00:19:38: Nicht so sehr aus dem richtigen, musikalischen oder dafür bin ich ehrlich gesagt viel zu irdisch denke ich weil viel zu irrtisch will so dramatisch vielleicht um viel zu von hier von dieser Erde bezogen braucht die menschen nicht brauche.

00:19:51: ohne die Menschen und zwar mehrere Menschen kann man auch eine Malasinponien nicht zum klaren bringen.

00:19:57: also dass ich bin von den Menschen abhängig und fast auch in diesem Sinne hoffentlich nicht weiß zu verstehen.

00:20:03: süchtig danach also.

00:20:04: ich bin süchtigt nach was die Menschen in ein Orchester vor allem jetzt mal zusammenbringen können.

00:20:10: Und das ist die größte Motivationen, die jetzt einmal so emotional gesprochen.

00:20:13: Ohne das glaube ich werde mein Beruf jetzt dann also nur halb so interessant als es ist im

00:20:18: Moment.".

00:20:23: Die erste Sinfonie von Gustav Mahler können sie vom zehnten bis zwölften Mai im Konzert mit dem Gürzenichorchester Köln hören unter der Leitung von Andres Orozco Estrada.

00:20:34: Auf dem Programm stehen dann auch Metacosmos sowie das erste Cello-Konzert von Camille Saint-Stance mit dem solisten Goutier

00:20:50: Capucen.

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